Der Tuscany Trail: Bikepacking-Abenteuer der Sonderklasse

Schöffel Blog / 02.08.2022

Er zählt zu den Frühjahrs-Klassikern und ist in der Bike-Szene wohlbekannt: der Tuscany Trail. Er ist ein Bikepacking-Abenteuer der Sonderklasse. Der Toscany Trail wird jedes Jahr aufs Neue veranstaltet. Auf rund 450 Kilometern geht es an mehreren Tagen quer durch die Toskana – von Nord nach Süd. Dabei wechselt die Wegführung von Jahr zu Jahr. Was gleich bleibt, ist eine Tour durch die wunderschöne, malerische Landschaft der Toskana – über sanfte Hügel, durch mittelalterliche Städte und durch die Weinberge.

Josefine und Jakub von der Schöffel Bike-Crew nehmen Dich mit auf die fünftägige Bikepacking-Tour durch die Toskana – zusammen mit über 3.000 Teilnehmenden aus 30 verschiedenen Ländern. Sie zeigen Dir, auf was sie beim Packen besonders geachtet haben und erzählen von ihrem Ich bin raus-Abenteuer auf dem Tuscany Trail.

Auf dem Tuscany Trail mehr als 450 Kilometer durch die Toskana 

Wir sind Josefine und Jakub aus der Schöffel Bike-Crew. Fahrradverliebt und naturbegeistert, lieben wir es, auf schmalen Pfaden durch die Heidelbeersträucher unserer Heimat, dem Odenwald, zu biken. Der Tuscany Trail ist unser erstes gemeinsames Bikepacking-Abenteuer, auf dem wir Dich gerne mitnehmen!

 

Wie folgst Du der Radtour durch die Toskana?

Die Direktive des Toscany Trail ist so knapp wie einfach: Auf einem festgelegten GPS-Track fahren wir quer durch die malerische toskanische Landschaft. Dabei kümmern wir uns selbst um Verpflegung und Schlafplätze. Rund 3.000 Teilnehmende starten im Zeitraum von drei Tagen unter der Devise: Der Weg ist das Ziel. Dabei hat jeder Teilnehmende des Toskana Trails die Möglichkeit, Tempo, Tagesdistanz sowie die Zeit selbst zu bestimmen.

 

Wohin führt Dich der Toskana-Trail?

Die Radtour durch die Toskana verspricht ein großes Abenteuer durch die Landschaft und Kultur der Toskana zu werden. Die rund 450 Kilometer lange Strecke erstreckt sich auf knapp 6.800 Höhenmetern vom Meer bei Donoratico im Halbmond über die Städte Volterra, San Gimigiano, Siena, Radicofani bis nach Orbetello.

Unsere Erlebnisse auf dem Tuscany Trail und die wunderbaren Begegnungen mit Einheimischen und Mitfahrenden haben wir mit vielen Bildern für Dich festgehalten. Vorher geben wir aber noch hilfreiche Tipps zum Equipment inklusive Packliste und Taschen-Setup.

Eins ist am Ende unserer Reise sicher: Dies war unser erstes, aber sicherlich nicht das letzte Bikepacking-Abenteuer!

Die Vorbereitungen für den Tuscany Trail

Unsere Devise beim Packen für das Bikepacking durch die Toskana lautet: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich! Denn jedes Gramm bedeutet zusätzliches Gewicht auf Deiner Biketour. Bei einer Strecke mit vielen Höhenmetern oder längeren Touren wirkt sich das schnell auf Deine Kondition und Kraft aus.

Damit Du auf dem Toscany Trail oder einer anderen Bikepacking-Reise das richtige Equipment dabei hast, haben wir für Dich unsere Packliste für den Toskana-Trail mitgebracht.

Die Packliste für Deine Bikepacking-Tour auf dem Tuscany Trail

Hygiene-Artikel:

  1. Reisezahnbürste
  2. Mini-Zahnpasta
  3. feste Haarseife
  4. feste Körperseife
  5. Reisehandtuch
  6. Sonnencreme Sport 50+
  7. Deostein
  8. gepresste Waschtücher 21-mal
  9. feuchte Toiletten- und Deotücher
  10. Gesichtscreme
  11. Fenistil
  12. Wundschutzcreme (Popocreme)
  13. Reisehaarbüste
  14. Ohrstöpsel

Werkzeug, Ersatzteile, Sonstiges:

  1. Multitool inkl. Chain Breaker
  2. 3 x Co2 Kartusche + Adapter
  3. Luftpumpe
  4. Flickzeug
  5. Ersatzventil
  6. Reifenheber
  7. Ultraleichter Ersatzschlauch
  8. Kettenschloss
  9. Kettenglied
  10. Kettenwachs
  11. Lappen
  12. Leatherman Multitool
  13. Kabelbinder
  14. Klettverschlüsse
  15. Mini-Fahrradschloss
  16. Erste-Hilfe-Set

Elektronik:

  1. 2 x Powerbank
  2. Fahrradlampe
  3. Stirnlampe
  4. Rücklichter
  5. Navigationsgerät
  6. USB-Ladegerät
  7. Ladekabel Handy
  8. Ladekabel Powerbank
  9. Canon R6 Kamera, drei Akkus
  10. RF 50mm Objektiv

Camping:

  1. 2 x ultraleichte Isomatten
  2. Sommer Daunenschlafsäcke
  3. ultraleichtes Zelt für zwei Personen
  4. Campingkissen
  5. Mini-Kochset
  6. Wasserfilter
  7. Messer
  8. Spork (Löffel und Gabel)

Bei der nächsten Tour auf dem Tuscany Trail würden wir jedoch den Wasserfilter zu Hause lassen, da es dort viele Trinkwasserbrunnen zum Wasser auffüllen gibt. Unverzichtbar sind jedoch ein Lappen und gutes Kettenwachs. So läuft die Fahrradkette immer geschmeidig und leise.

Beim Bikepacking ist leichte Kleidung, die sich platzsparend verstauen lässt, das A und O. Das spart zum einen Gewicht und zum anderen Platz, der auf dem Rad bekanntlich begrenzt ist. Damit Du einen Anhaltspunkt hast, welche Bekleidung wir auf dem Tuscany Trail dabei hatten, lassen wir Dich in unsere Radtaschen blicken.

Josys Bike-Bekleidung für den Tuscany Trail

Wenn Du einen Blick in meine Bike-Tasche für den Toscany Trail wirfst, findest Du folgende leichte und funktionelle Bike-Bekleidung:

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Hybrid Jkt Flow Trail L
  • Sale

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Tipp von Josy:

Bei der nächsten Bikepacking-Tour würde ich jedoch die Windjacke Hybrid Jkt Flow Trail weglassen, da die Schöffel Regenjacke 2.5L Jacket Bohusleden L sich bei allen widrigen Wetterverhältnissen als ideal erwiesen hat. Unverzichtbar auf dem Toskana-Trail war die Schöffel Skin Pants 8h L. Durch ihre Polsterung sorgte sie für ultimativen Komfort und idealen Sitz im Sattel.

Jakubs Bike-Bekleidung für den Tuscany Trail

In meiner Bike-Tasche für den Toscany Trail war folgende funktionelle und atmungsaktive Bekleidung eine sehr gute Unterstützung auf unserer Reise durch die Toskana:

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Das Bike- und Taschen-Setup für den Tuscany Trail

Das wichtigste Equipment für unsere Fahrt auf dem Toscany Trail ist natürlich das Fahrrad selbst. Josy setzt auf das XC Hardtail von Bergamont Revox Team aus dem Jahr 2012 mit diversen Upgrades. Das Taschen-Setup von Josy umfasst eine 17-Liter-Lenkerrolle, Satteltaschen mit einem Fassungsvermögen von 10 Litern, eine Rahmentasche mit einem Volumen von drei Litern, eine Oberrohrtasche mit 0,7 Litern und zwei Trinkflaschen mit 0,8 Litern Füllmenge.

Jakubs Bike ist ein Gravel-Bike der Marke Rondo, das Model Ruut AL aus dem Jahr 2021. Sein Taschen-Setup beinhaltet eine Lenkerrolle mit 12,6 Litern Volumen, eine Satteltasche mit einem Volumen von vier Litern und eine Oberrohrtasche mit 1,7 Litern Füllmenge. Für die Kamera benötigt Jakub zusätzlich eine Foto-Hipbag mit einer Größe von sieben Litern. Hinzukommt eine Werkzeugtasche am Unterrohr mit einer Größe von 0,5 Litern. Für ausreichend Flüssigkeit sorgen zwei 0,8 Liter und zwei 0,59 Liter große Trinkflaschen.

Die Vorbereitungen für unsere allererste Bikepacking-Reise auf dem Tuscany Trail sind getan. Nun möchten wir Dich auf unserem Rad mit auf den Tuscany Trail nehmen. Es kann losgehen!

Tag #1 auf dem Tuscany Trail: von Donoratico nach Garetto Basso

Unser Bikepacking-Trip auf dem Toskana-Trail beginnt in Donoratico im Parco della Sughere. Dort ist der offizielle Startpunkt des Tuscany Trails. Um uns scharren sich alle Arten von Bikern, die sich wie wir auf die Reise zum Tuscany Trail begeben. Wir genießen die heitere Atmosphäre mit zwei Espressi und erkunden neugierig das Eventgelände. Spannend für uns: Wir stellen fest, dass es den einen klassischen Tuscany-Trail-Teilnehmer nicht gibt. Die unterschiedlichsten Fahrrad-Typen sind hier zu finden: Gravel-Bikes, Race-Fullys, Marathon-Hardtail, E-Bikes, Trekking-Bikes und alles, was dazwischen liegt – hauptsache ein fahrbarer Untersatz mit zwei Rädern.

Eine erstaunlich bunte Truppe ist mit uns unterwegs – was uns wirklich sehr erfreut.

Die größte Aufmerksamkeit und Sympathie erlangt jedoch ein Italiener mit Kinderanhänger. Darin ist aber nicht, wie zu vermuten, ein Kind vorzufinden. Nein, sein vierbeiniger Gefährte hat hier den Ehrenplatz an seiner Seite.

Wir starten am Samstag gegen 09:45 Uhr und erklimmen nur wenige Kilometer später das erste höher gelegene Dorf Castagneto Carducci. Dort führt es uns auf ebenem Wege weiter Richtung Norden. Entspannt rollen wir durch wunderschöne und schattige Pinienwälder. Bei Cecina streifen wir sogar kurz den Strand und biegen danach ins Hinterland Richtung Osten ab.

Unser selbst gesetzte Mindestdistanz ist bereits am Nachmittag bei Santa Luce erreicht. Wir sind aber weit davon entfernt, den Tag zu beenden und nach einem Schlafplatz zu suchen. Nach einer kurzen Pause mit leckerem Panini erklimmen wir mit dem Rad den ersten hohen Berg auf der Route – auf 500 Metern über dem Meeresspiegel. Belohnt werden wir mit einem herrlichen Blick über die wunderschöne Toskana.

Nach 90 Kilometern und 1.220 Höhenmetern beginnt der Tag sich langsam dem Ende zu neigen. Es wird Zeit für uns, sich auf die Suche nach einem Zeltplatz für die Nacht zu machen. Schließlich finden wir diesen im Hinterland von Garetto Basso unter einer imposanten Eiche auf einem versteckten Feldweg neben der Strecke des Toskana Trail. Eine ruhige und erholsame Nacht steht uns bevor!

 

Die Details zur ersten Etappe auf dem Tuscany Trail

  • Start: Donoratico
  • Ende: Hinterland von Garetto Basso
  • Distanz: 90 Kilometer
  • Höhe: 1.220 Höhenmeter

â–¶ Hier geht's zur komoot-Tour.

Tag #2 auf dem Toskana Trail: vom Hinterland Garetto Bassos bis San Gimignano

Nach einer entspannten Nacht kann Tag Zwei unseres Abenteuers beginnen! Da wir hoch gelegen campiert haben, beginnt der Tag mit einer rasanten Abfahrt. Im nah gelegenen Dorf Lajatico biegen wir auf die Piazza ab und füllen unsere Wasserflaschen am Brunnen auf. Im Dorfzentrum genießen wir unser Frühstück in einem kleinen Café.

Dort treffen wir auf viele Teilnehmende des Tuscany Trails, die bei Cappuccino und Biscotti gute Laune verbreiten. Kurzzeitig kommt hinter der Kaffeetheke Hektik aufgrund der vielen Biker auf. Die einheimischen Stammkunden nehmen das mit Geduld auf, bis sie ohne Worte und einem kurzen Winken ihr Lieblingsgetränk gereicht bekommen. Die Wartezeit soll gut genutzt sein: Von unserem Hintermann lassen wir uns erklären, wie wir auf Italienisch zwei Cappuccini und süße Teilchen bestellen. Das lebendige Miteinander und die gute Stimmung vor dem Café lassen die Freude auf die bevorstehende Etappe steigen.

Uns stehen zwei große Anstiege bevor – sie versprechen einen anspruchsvollen Tag. Auf dem ersten Berg liegt Volterra, eine historische Stadt, die uns zum Verweilen einlädt. Es folgt der zweite Anstieg mit einer Gesamtlänge von neun Kilometern. Dieser fällt zum Glück nicht zu steil aus und ist angenehm zu pedalieren. Die weite Landschaft, das Leuchten der tiefroten Mohnblumen auf den Feldern, die sehenswerten historischen Städte, das Miteinander und die Gastfreundschaft der Einheimischen erfüllen all unsere Erwartungen – der Tuscany Trail ist eine großartige Reise.

Am frühen Abend, nach einem kurzen Regenschauer, erreichen wir San Gimignano. Hier lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Mit dieser Entscheidung sind wir nicht allein – die ganze Stadt wimmelt von Bikepackern. Bei gutem Essen findet ein lebhafter und lustiger Austausch über die eigenen Erlebnisse der letzten zwei Tage auf dem Toscany Trail statt. Der örtliche Campingplatz ist unser heutiger Schlafplatz mit Dusch- und Waschmöglichkeit.

 

Die Details zur zweiten Etappe auf dem Tuscany Trail

  • Start: Hinterland von Garetto Basso
  • Ende: San Gimignano
  • Distanz: 63 Kilometer
  • Höhe: 1.460 Höhenmeter

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Tag #3 auf dem Tuscany Trail: von San Gimignano bis nach Buonconvento

Geduscht und mit frisch gewaschenen Klamotten nehmen wir am dritten Tag unserer Bikepacking-Tour durch die Toskana den direkten Weg vom Campingplatz zum offiziellen Verlauf des Tuscany Trails. Dieser führt über steile, ausgewaschene Schotterwege und fordert gleich zu Beginn bergab unser ganzes können. Unseren rituellen Morgen-Espresso können wir getrost ausfallen lassen – nun sind wir wach. Ein guter Einstieg für den heutigen Streckenabschnitt: Er erweist sich als technisch anspruchsvoll.

Beim Durchfahren von Bachläufen sowie schmalen, matschigen und steinigen Trail-Stücken kommen unsere Mountainbike-Skills voll zum Einsatz. Wir haben Spaß am Fahren und treten fest in die Pedale.

Am Wegesrand lädt ein Grundstückbesitzer zum kostenlosen Campieren, Kuchen, Eistee und Kaffee ein. Das nutzen wir für eine Pause. Nun säumen fortan Ruinen, weißer Schotter, Burgen, Kapellen und noch mehr Mohnfelder den Streckenverlauf des Tuscany Trail.

Mittags erreichen wir die wunderschöne Stadt Siena. Nach einer vorzüglichen Portion Salbei-Ravioli und Bandnudeln mit Wildragout gepaart mit Sightseeing, Eis und Espresso flüchten wir aus der Stadt. Wir möchten die Ruhe des Tuscany Trails genießen.

Unser Plan ist es, bis Buonconvento zu fahren, dort einzukaufen und ein Nachtlager zu suchen. Zunehmend holt uns die Dämmerung ein und wir entscheiden, noch vor Bucoconvento einen Schlafplatz zu suchen. Ein Bauernhof auf der Route sieht einladend aus. Wir beschließen, den älteren Bauern zu fragen, ob wir unser Nachlager hier aufschlagen dürfen. Sehr freundlich werden wir eingeladen zu bleiben und werden sogar zu „Mangiare“ eingeladen. Doch möchten lieber unsere Essensration, die schon seit 250 Kilometern mit uns reist, aufbrauchen. Der ältere Herr beobachtet unser Treiben und wir verständigen uns durch Hände und Füße – pure Sympathie. Unter Schwalbengetwischer schlafen wir bald ein.

 

Die Details zur dritten Etappe auf dem Tuscany Trail

  • Start: San Gimignano
  • Ende: Bauernhof vor Bucoconvento
  • Distanz: 94 Kilometer
  • Höhe: 1.470 Höhenmeter

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Tag #4 auf dem Tuscany Trail: von Buonconvento bis Radicofani

Nach einer morgendlichen Führung durch den Stall und den Bauernhof verabschieden wir uns herzlich von unserem Gastgeber. Nun startet Tag vier auf dem Tuscany Trail. Sehr deutlich spüren wir die vielen Höhenmeter und Kilometer der letzten Tage. Nur schwer finden wir heute einen runden Tritt. Mental hingegen fühlen wir uns fit – das Tagesziel wurde schon weit übertroffen.

In der Stadt Pienza angekommen, sehen wir am Horizont bereits Radiconfani – den höchsten Punkt der gesamten Route des Toskana Trail. Demütig wenden wir den Blick ab und folgen der Route. Der Anstieg nach Radicofani steht erst für morgen auf dem Plan. An der Pforte eines Klosters verkaufen drei Nonnen selbstgemachte Marmelade, Kuchen und Schmuck. Wir sind mutig und probieren die selbstgemachte Zitronen-Limonade – der süßsaure Geschmack lässt unsere Gesichtsmuskeln zusammen zucken.

Am Nachmittag haben sich unsere Beinmuskeln etwas gelockert und wir können uns auf Schotterstraßen und Asphaltabschnitten zügig fortbewegen. Es folgt einer der wildesten und natürlichsten Abschnitte des Toscany Trails. Mehrmals überqueren wir das ausgetrocknete Flussbett des Orcia Flusses. Plötzlich sind wir überrascht: Vor uns ragt ein Bierzelt hervor – mitten auf unserem Weg. Wie sich herausstellt, hat eine Craft-Beer-Brauerei beschlossen, müden Tuscany-Trail-Fahrern und -Fahrerinnen eine willkommene Erfrischung anzubieten. Nach einem eiskalten und sehr schmackhaften IPA fühlen wir uns bereit für den anstrengenden Aufstieg immer in Richtung Radicofani, das auf 875 Metern über dem Meer liegt.

Um 18:15 Uhr stellen wir uns die entscheidende Frage: Schlafplatz suchen oder doch noch den Aufstieg nach Radicofani wagen? Der Ehrgeiz siegt: Wir schalten in den leichtesten Gang und kämpfen uns in der Abendsonne auf Schotterwegen hinauf zum kleinen Städtchen.

Die Stimmung in Radicofani ist spitze. Jeder Teilnehmende, der die Stadtmauer passiert, wird euphorisch empfangen. Die einen noch verschwitzt, die anderen frisch geduscht bei Aperol oder Bier: Alle haben eines gleich, das dicke Grinsen im Gesicht.

Kurz vor Feierabend decken wir uns im örtlichen Gemüseladen mit Abendessen ein und machen uns auf den Weg aus der Stadt heraus. Wir sind auf der Suche nach einem Schlafplatz in der Natur. Am Beginn einer langen Abfahrt, die wir am nächsten Tag in Angriff nehmen wollen, schlagen wir unser Zelt auf – nun ist es schon fast dunkel.

 

Die Details zur vierten Etappe auf dem Tuscany Trail

  • Start: Bauernhof von Bucoconvento
  • Ende: Radiconfani
  • Distanz: 90 Kilometer
  • Höhe: 1.750 Höhenmeter

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Tag #5 auf dem Tuscany Trail: von Radiconfani bis Ortobello

Bewusst haben wir unseren Schlafplatz nach Osten ausgerichtet, um den Sonnenaufgang und die wärmenden Strahlen am Morgen nicht zu verpassen. Wir werden mit einem spektakulären Sonnenaufgang beschenkt. Den Morgentau auf unserem Zelt und Packtaschen lassen wir in Ruhe von der aufgehenden Sonne trocknen. Ein langer Tag auf dem Rad steht bevor – wir haben es nicht eilig.

Zu Beginn der Tagestour dürfen wir jede Menge Höhenmeter erklimmen. Dafür geht es danach über kurvige Schotterpisten schnell in die Ebene hinunter. Im Gegensatz zu den vorherigen Etappen des Toskana-Trails verläuft der heutige Streckenabschnitt weitestgehend auf Asphalt. Risikofreudiger als die Tage zuvor legen wir uns in die steilen Asphaltkurven – Bremsen offen, die Freiläufe surrend. Es überkommt uns ein Rennfahrer-Feeling, wie bei der Giro-Italia.

Dann, ganz plötzlich, eröffnet sich uns eine spektakuläre Kulisse: Vor uns liegt Sorano in der Mittagssonne – eine Stadt wie aus einer anderen Zeit. Nur die dezent einheitlich braunen Satellitenschüsseln erinnern an die Moderne. Wir verlassen die Route und erkunden die schmalen Gassen, bevor es durch kurvige Landstraßen und dichten Eichenwäldern wieder auf den Tuscany Trail geht. Nach sieben Kilometern verlassen wir die Straße. Durch einen unbefestigten, steilen und schmalen Graben erreichen wir das nächste Highlight: die Stadt Pitigliano.

Die Altstadt mit ihren großen Treppen lädt dazu ein, sie pedalierend zu erklimmen. Von anderen Teilnehmenden angefeuert, fahren wir die Treppen mit unseren Fahrrädern hinauf und ernten dafür viel Lob. Wir treffen auf Antonio, der vor seiner Eingangstür verweilt und das rege Treiben interessiert beobachtet. Er lädt uns auf einen Wein ein, den seine Tochter hergestellt hat. Herb und authentisch schmeckt er, ohne Schnick-Schnack hergestellt, erklärt uns der alte Mann. Wir erfahren von ihm, dass die Stadt unterirdisch nochmal existiert. Jedes Haus hat einen oder mehrere Stockwerke Keller, teilweise bis zu fünf untereinander. Früher wurde dort Wein gelagert. Wir bedanken uns für das Gespräch und ziehen weiter zum örtlichen Markt, wo wir unseren Hunger mit Focaccia und Antipasti stillen.

Es liegen noch etwa 65 Kilometer vor uns und es ist bereits 13:30 Uhr. Heute Abend werden wir Ortobelleo erreichen – damit endet der Tuscany Trail für uns. Geplant haben wir mit sechs Tagen, um den Trail zu bewältigen. Geschafft haben wir es in fünf Tagen. Die Vorstellung, schon heute Abend, zwar dreckig, verschwitzt und abgekämpft, das Ziel zu erreichen – anstatt morgen ausgeruht und entspannt – motiviert.

Der Plan ist schnell gefasst: Alles oder nichts – wir erreichen heute Abend Ortobello!

Zügig verlassen wir Pitigliano. Mitstreiter sehen wir immer weniger auf der Strecke, das Feld hat sich wohl weit auseinandergezogen. Tendenziell geht es heute bergab, da wir zurück ans Meer fahren. Die zwei Anstiege auf dem Höhenprofil erscheinen nicht beeindruckend, aber sie ziehen Kraft. Kraft, die nach so vielen Kilometern nicht mehr zur Verfügung steht. Weit außerhalb der Komfortzone überrollen wir die steilen Abschnitte. Das Ziel steht weiterhin klar im Fokus: Ortobello und damit das Ende des Tuscany Trail. Für die letzten 40 Kilometer schließen wir eine Allianz mit zwei Leipzigern – ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.

Da wir die letzten 25 Kilometer Richtung Westen fahren – der Sonne entgegen, die schon tief am Horizont steht – hat diese Fahrt eine besondere Atmosphäre und Stimmung. Wir stehen kurz vor dem Ziel nach fünf Tagen auf dem Fahrrad. Über die Felder rechts und links streift der Wind, der Horizont leuchtet gelb, unvergessliche Momente voller Schönheit liegen hinter uns. Wir queren einen Pinienwald, durch die dichten Kronen blitzt goldgeld die Abendsonne. Es riecht wunderbar nach Pinien und Meer. Kurz nach 20:00 Uhr erreichen wir das Ufer und genießen die Weite des Meeres. Wir fahren mit dem Rad am Meer entlang – Ortobello muss kurz vor uns liegen. Unser Tempo ist hoch und wir sind euphorisch. Auch wenn wir uns mit gemischten Gefühlen herumschlagen: die wunderschönen Tage einerseits vorbei, andererseits ein derart großes Abenteuer bewältigt zu haben.

Wir queren die Brücke nach Ortobelle und passieren das Ortsschild. Um 20:32 Uhr schießen wir das Zielfoto unter dem Tuscany-Trail-Arrivo-Banner. Fünf Tage Bikepacking in der Toskana liegen hinter uns – wir sind stolz und glücklich. Viele bekannte Gesichter der letzten Tage treffen wir am Ziel wieder. Wir stoßen mehrmals auf uns und die grandiosen Tage auf dem Tuscany Trail an. Dies war unsere erste, aber bestimmt nicht die letzte Bikepacking-Tour durch die Toskana.

 

Die Details zur fünften Etappe auf dem Tuscany Trail

  • Start: Radiconfani
  • Ende: Ortobello
  • Distanz: 116 Kilometer
  • Höhe: 1.500 Höhenmeter

â–¶ Hier geht's zur komoot-Tour.

Mit der Schöffel-Bike-Crew unterwegs auf dem Tuscany Trail

Josy aus der Schöffel Bike-Crew hat Dich zusammen mit Jakub auf deren spannendes Ich bin raus-Abenteuer auf den Tuscany Trail mitgenommen. Einzigartige Momente, tolle Erlebnisse und nachhaltige Erinnerungen sind das Ergebnis einer fünftätigen Bikepacking-Tour durch die wunderschöne Toskana.

Hast Du auch Lust auf den Toskana-Trail bekommen? Dann nimm Dir gerne die Tipps und Tourenbeschreibung von Josy und Jakub für Deine Planung zur Hand. Die passende Bekleidung für Dein Ich bin raus-Abenteuer auf dem Rad findest Du im Schöffel-Onlineshop. Hier gibt es Bike-Bekleidung für Damen und Herren und für Deine nächste Tour.

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